Vulpera Schamane

6. August 2022 Aus Von admin

Wie ist das eigentlich so eine „kompliziertere“ Idee anzugehen?

Fast immer fängt es mit einem vagen Gefühl an. Ich schau nicht auf eine Anleitung und sage „joa.. kann man tun…“ sondern denke an eine Sache und dass man daraus etwas häkeln könnte. Dann habe ich schon ein Gefühl, wie es werden soll. Klein, groß, bunt, simpel, kompliziert. Recht schnell kommen die ersten Ideen.

Sobald ich eine Idee habe, was es werden soll, versuche ich es zu visualisieren. Auf dem iPad ist das natürlich großartig, denn man kann abpausen und sich die „wesentlichen“ Dinge zusammenstellen die man braucht. Die eigentliche Arbeit ist das Umdenken.

Schau dir den Kopf an. Das war das kniffligste. Oben spitz und unten breit. ich habe mehrere Versuche gebraucht bis mir der Gedanke kam: „Fang unten an. Abnehmen kannst du besser als zunehmen“ (zumindest beim Häkeln).
Und dann hatte ich einen Halbkreis, bei dem ich die „Backen“ einfach geformt habe indem ich auf die Idee kam es einfach „zusammen“ zu häkeln. (siehe Bild)

Aber selbst wenn man dann den Kopf „fertig“ häkelt, hat man ein unfertiges unförmiges Etwas.

Und da fängt dann die eigentliche „Arbeit“ an. Probieren.
Was sieht wie eine Nase aus, wie schaffe ich es dass es etwas hervor steht?
Im Bild sind die Kopfstreifen zu sehen. Wie kann ich das drauf oder dran häkeln?

Es gibt Vorlagen im Internet für „der perfekte Kreis“ oder „wie häkelt man ein Ei“ in denen erklärt wird, wie man symmetrisch Maschen ab- und aufnimmt. Die kannst du aber nicht 1:1 umsetzen.

Für die Ohren hab ich mir tatsächlich eine „Anleitung“ geschrieben. Beim Häkeln hab ich mir notiert, wann ich zu- bzw. abnehme, wann der Farbenwechsel kommt, damit die Ohren gleich aussehen.

Der Körper war ne unförmige Wurst. Da musste dann eine Form reingebracht werden. (mit nem Faden zusammenziehend die Taille bestimmen) Dann den Körper auf den Kopf annähen. Oder noch besser: Den Kopf zu ende häkeln und dann den Hals und den Körper drunter.  

Das Kleid von unten nach oben häkeln, weil hübschere Abnahmen. Hat mich 2 Versuche gekostet zu wissen, wie viele Maschen genug cm. entsprechen, um den Körper im Kreis rum zu kommen. Den Kleid-Schlauch über die Wurst ziehen und versuchen, gleichmäßige Würste für die Arme zu machen.
(DAS war das schwerste.)

Der Gedankengang währenddessen

So lange du noch kein „fertiges“ Produkt hast, hangelst du dich mit dem häkeln an den Bildern in deinem Kopf entlang.
Es ist wie in Harry Potter. „Du musst die fertige Verwandlung vor deinem inneren Auge sehen.“

Sobald das Grundgerüst steht, geht es an die Feinheiten.
Welche Muster müssen aufs Kleid?
Will ich den Gürtel häkeln?
Wie lässt sich das umsetzen?
Ich habe keine goldene Wolle, aber goldenen Faden.
Mach ich einen Kragen oder hohe Schultern?
Oh, geil! Ich hab noch vom letzten Leder-Projekt ein Stück Metallkette übrig. Die will ich an die Arme machen. Aber wie mach ich die fest? Mit dünnem Draht und an der Schulterklappe fest gemacht, da kommt ein Schmuckstein drauf, damit sich keiner beim anfassen den Draht in den Finger sticht.

Verdammt! Das Schild! Soll ich’s häkeln? Aus Holz machen?
Mal ne Freundin fragen ob sie eine Idee hat. Sie schlug Filz vor, das ließe sich auch super kleben.
Also ist das Schild ist aus Filz. Einem Rest, den ich in einer meiner Materialsammelkisten gefunden hab.
Die Kontur und die Schatten mit einem silbernen Edding, verschiedene Dinge aus Filz ausgeschnitten damit sie auch nur annähernd wie das Original aussehen. Schmucksteine mit einer Feile zurecht geschliffen, etwas Glitzer ich hasse Glitzer! und hoffen, dass es zusammenhält.

Der Dolch ist aus einem simplen Holzlöffel vom Lieferdienst geschnitzt und angemalt, das aus Wolle wäre schwierig geworden.


Man sagte mir aus dem Freundeskreis, ich könnte solche Figuren doch im Netz verkaufen. Doch lasst uns mal zusammen rechnen: Wolle, Filz, Steinchen/Kette – meist aus bestehenden Knäulen oder spartanisch dazugekauften Elementen – ist überschaubar.

Aber:
Die Dinge die ich anfertige sind Unikate mit viel Herzblut und stundenlanger Kleinstarbeit. Allein in diesem süßen Vulpera stecken ca. 30 Stunden Arbeit, von Konzept zum fertigen Stück. Das will auf dem freien Markt keiner bezahlen. Da bleib ich lieber bei „aus einer Idee wird ein Projekt, mal schauen was draus wird“.

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